12.11.09
Fliegende Intelligenz

Viele Mythen und Legenden ranken sich um Raben. Einer Legende nach droht der englischen Monarchie ein baldiges Ende, wenn die auf dem Tower of London lebende Raben davonfliegen. In der christlichen Welt werden sie oft als ein Unglückssymbol oder Unheilsbringer angesehen. Dagegen galten sie in der nordischen Mytholige als ein Zeichen für Weisheit und Intelligenz.

Tatsächlich ist die Symbolik, die die nordische Mythologie den Raben gab, die richtige, welche aber durch die Christianisierung absichtlich verfälscht wurde, da sie ein Symbol des Heidentums waren. Denn Raben sind die Vögel mit der größten Intelligenz.

Aus Beobachtungen weiß man, dass Raben gerne versuchen Eindruck unter ihresgleichen zu schinden, indem sie sich mal auf Wildschweine setzen und diese als Reitgetier benutzen oder lässig kopfüber vom Ast schaukeln. Ihr Spieltrieb reicht auch soweit, dass sie sich von einem verschneiten Hügel runterkullern lassen. Aus Sorge, diebische Artgenossen könnten ihre Verstecke plündern, legen diese einfach Scheinverstecke an, um so eventuelle Rivalen zu täuschen und das eigene Futter zu sichern. Es soll sogar Berichte geben, dass dieses Täschungsmanöver soweit gehen, dass sich Raben neben einen Kadaver wie tot auf den Boden legen, um so eine mögliche Lebensmittelvergiftung vorzutäuschen.

Solche Berichte waren Grundlage wissenschaftliche Tests mit Raben durchzuführen, um ihre wahre Intelligenz festzustellen. Bei einem Experiment mussten die Raben an ein Stück Fleisch kommen, dass an einer langen Schnur festgemacht war und senkrecht unter ihrer Stange hing. Die einzige Möglichkeit die es gab an das Stück Fleisch zu kommen, bestand darin, die Schnur ein Stück nach oben zu ziehen, sorgsam eine Schlaufe zu legen und mit dem Bein festzuhalten. Nun konnte man ein Stück nachfassen und wieder nach oben ziehen, bis man das Stück Fleisch hatte. Die besten Raben haben dies auf Anhieb geschafft, in dem sie die Konstruktion eine Zeit lang anschauten und planten, wie sie am Besten an das Fleisch kommen. Die Fähigkeit zu planen und vorauszudenken ist eine sehr hohe Stufe der Intelligenz, welche nicht einmal Primaten immer leicht fällt.

Raben scheuen auch nicht Umwege zu gehen, um an ihr Futter zu kommen. So nutzen die Raben beispielsweise den Straßenverkehr aus um Nüsse oder Früchte zu knacken. Dazu platzieren sie während einer Rotphase der Ampeln ihre Nüsse und warten bis es grün ist und die Autos die Nüsse für sie knacken. Während der nächsten Rotphase können sie dann gemütlich ihr Futter einsammeln. Aber sie sind auch Meister darin, Werkzeuge herzustellen und zu verwenden, was man bisher nur vom Menschen und Menschenaffen kannte. In Oxford musste ein Geschwisterpaar Raben mit Hilfe eines Drahtes einen Futterbehälter aus einer Röhre ziehen. Es standen mehrere Drähte zur Auswahl aber lediglich ein Draht hatte den dafür passende Haken. Da sich der Bruder schon den richtigen Draht schnappte, überlegte die Schwester nicht lange und bog einen der falschen Drähte passgenau zurecht, damit sie auch an das Futter kommt.

Nun stellt man sich abschließend die Frage, wozu das Federgetier denn dieses Ausmaß an Intelligenz benötigt? Forscher gehen davon aus, dass es hier ähnlich wie beim Menschen daran liegt, dass sie in allen möglichen Lebensräume leben, sie in einer Gemeinschaft leben, bei der Täuschung und Diebstahl an der Tagesordnung steht und sie immer versuchen müssen ihren Artgenossen in nichts nachzustehen. Um zu überleben müssen sie kooperieren und tricksen zu gleich, um an Aas zu kommen manipulieren sie Jäger so, dass diese praktisch für die Raben jagen. Damit sie selbst nicht verspeist oder benachteiligt werden, müssen sie sowohl das Verhalten der Jäger und der Artgenossen studieren. Wer flexibel ist, findet immer Nahrung. Für Flexibilität braucht es Intelligenz und ein ständiges kognitives Wettrüsten.

 

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